Inhaltliches Profil, fachlicher Ansatz und Selbstverständnis

 

Wir schließen uns in Bezug auf unsere inhaltliche Intention sehr gerne dem Leitsatz des Pflegekinderdienstes der Stadt Herten an: Unser Auftraggeber ist das Kind


Wir möchten Ihnen an dieser Stelle unsere fachliche Kompetenz und berufliche Haltung transparent und präzise eröffnen, sodass Sie diese mit Ihren inhaltlichen Erwartungen abstimmen können.

Sie erhalten einen konkreteren Einblick in unsere Sichtweisen und Methoden, erfahren unsere Beweggründe für alltägliches fachliches Handeln und unsere Auffassung über die Pädagogischen Dienste an sich.

Grundsätzlich kennzeichnen sich unsere Haltung, unser fachliches Auftreten und die Pädagogischen Dienst an sich durch folgende Merkmale: 

  • Wir sind ein Dienst, der sich keiner bestimmten gesellschaftlichen Philosophie, Ideologie, politischen Position oder Religion zuwendet oder zugehörig fühlt. Unser Ziel ist es ausschließlich, gemeinsam eine möglichst wertvolle pädagogische Arbeit zu leisten.
  • Unsere autonome Stellung als ambulanter, privater Dienst und freie Praxis haben wir im Sinne einer größtmöglichen Unabhängigkeit bewusst gewählt. Somit sind wir in der Position, selbst zu entscheiden, welche Aufträge wir verantworten und leisten werden.
  • Unser Selbstverständnis ist es, für die UN-Kinderrechtskonvention vom 20.11.1989 (seit 05.04.1992 in Deutschland in Kraft) einzutreten, unsere alltägliche Arbeit mit Kindern an diesem Maßstab zu messen. Das bedeutet konkret, Kindern den erforderlichen Schutz, zustehende Hilfe und Wertschätzung sowie eine Subjektstellung zukommen zu lassen. 
  • Eine Pädagogik, die sich auf die wissenschaftlich fundierte analytische Psychologie beruft sowie pädagogische Arbeitsweisen, die die Beziehung zum Kind als Basis für alle weiteren Ziele elementar voranstellt. 
  • Eine Kooperation mit den Eltern des Kindes, die deren Rolle als Sorgeberechtigte achtet, sie aber gleichermaßen in Verantwortung nimmt. 
  • Eine Zusammenarbeit mit dem Auftraggeber, die auf Augenhöhe stattfindet und von fachlicher Kompetenz und einem kooperativen Miteinander geprägt ist.



Analytischer Ansatz

U. a. die gesetzlich festgelegte Subjektstellung des Kindes ist einer unserer Beweggründe, uns für den analytischen Ansatz entschieden zu haben. Über eine gründliche Anamnese, Informationsgespräche mit allen Beteiligten, weiteren Recherchen und Untersuchungen - und letztendlich darüber, mit dem Kind in eine vertraute Beziehung zu treten – wird eine präzise Beschreibung der aktuellen Situation aus Sicht des Kindes getroffen und demnach notwendige Hilfen benannt.

Die Auswertung gibt Antworten auf die Fragen,

  • welche kindlichen und elterlichen Ressourcen und Fähigkeiten genutzt und verstärkt werden können;
  • welche Defizite und Hindernisse sich für die Entwicklung des Kindes darstellen; 
  • ob und ggf. in welcher Art das Kind gefährdet ist; 
  • welche institutionellen und persönlichen Interventionen notwendig sind. 

Für die analytische Arbeitsweise haben wir uns bewusst entschieden, da wir in unserer alltäglichen Praxis - entgegen dem systemischen Ansatz - feststellten, dass die Methode zwar arbeitsaufwendiger, aber ebenso weitsichtiger und nachhaltiger wirkt. Wir sprechen uns nicht grundsätzlich gegen den systemischen Ansatz aus. In Fällen, die keine Kindeswohlgefährdungen beinhalten, bedienen wir uns ebenso sinnvoller Methoden, wie z. B. gemeinsamer Eltern-Kind-Gespräche, Reflektionen über die Ausführung der Rollen in der Familie sowie der Beteiligung von weiteren, dem System angehörigen Personen.
In den Fällen mit (akuten) Kindeswohlgefährdungen sehen wir in den systemischen Ansätzen nicht das richtige Mittel, das Kind zu schützen, die Interventionen laufen ins Leere. Der systemische Ansatz sieht die Bedürfnisse aller Beteiligten gleichberechtigt auf einer Ebene, individuelle Bestrebungen sind in eine gemeinsame Balance zu bringen.
Wir möchten nicht dem Irrtum folgen, die verschiedenen Interessen bei Kindeswohlgefährdung gleichzusetzen, sondern es gilt dann, das Kind parteiisch zu vertreten. Aus diesem Grund teilen wir im Rahmen des analytischen Ansatzes der Beziehung des Kindes zu einem unserer Mitarbeiter eine elementare Bedeutung zu. Nur über ein solches, sehr vertrautes Verhältnis, über Absicherung und Schutz, ist es möglich, eine Kindeswohlgefährdungen früh und unmittelbar zu erkennen, ggf. zu mindern oder abzuwenden.
Dieser Ansatz hält auch einer bitteren Gegenprobe stand: In der Bundesrepublik Deutschland kommen aktuell wöchentlich drei Kinder durch Gewaltanwendung oder Vernachlässigung zu Tode (Bundesministerium des Innern: Polizeiliche Kriminalstatistik Gewalt gegen Kinder in Deutschland“, März 2013). Ursachen, juristische Folgen, resultierende Veränderungen in der Jugendhilfe, politische Konsequenzen usw. wurden und werden vielfach diskutiert. Untersucht man jedoch die Fälle, wie z. B. Kevin aus Bremen, Lea-Sophie aus Schwerin, Chantal oder Yagmur aus Hamburg konkret, so ist bei diesen, wie auch in anderen Fällen nahezu grundsätzl festzustellen, dass vielfache Hilfen involviert waren. Keine dieser Hilfen jedoch war präzise darauf fokussiert, dass die betroffenen Kinder eine vertraute Beziehung zu einer außenstehenden Person erhalten, Einzelkontakte wahrnehmen. Überwiegend zielten die Maßnahmen im Ermessen des systemischen Ansatzes darauf ab, den Hilfebedarf und die Bedürfnisse beteiligter Erwachsener in den Mittelpunkt zu stellen. „Direkt kindbezogene Förderung, mit der die sprachliche, geistige oder motorische Entwicklung junger Kinder unterstützt wird, tut also not.“ (Köckeritz 2004, S. 194)

Im weiteren Verlauf dieses Standards erörtern wir dezidiert folgend Themen:

  • Die Beziehung zum Kind - emotionale Versorgung und Erlebnisse für traumatisierte Kinder 
  • Partizipation von Kind und Eltern 
  • Unser Verhältnis in der Kooperation mit Eltern, Auftraggebern u. a.

Die o. g. weitergehenden und ausführlichen Beschreibungen dieses Standards sind Inhalt unserer Konzeption, die Sie per Mail oder mit diesem Formular anfordern können.